Die Frage erübrigt sich, weils der Löw schon ist.
Vom Assistent zum Chef: Löw folgt auf Klinsmann
12. Juli 2006 Das Kapitel Jürgen Klinsmann bei der deutschen Nationalmannschaft ist abgeschlossen. Einen Tag nach seinem Rücktritt als Bundestrainer stellte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) denn bisherigen Assistenztrainer Joachim Löw als Nachfolger vor.
Klinsmann sagte auf einer Pressekonferenz in Frankfurt, es sei sein großer Wunsch gewesen, in die Normalität zurückzukehren. Er habe sehr viel Kraft gelassen während seiner zweijährigen Arbeit als Bundestrainer. Er fühle sich im Moment absolut nicht im Stande, diese Arbeit mit der gleichen Energie und Power weiter zu führen. Er habe das Gefühl, ausgebrannt zu sein, und werde sich erst einmal ein halbes Jahr Urlaub gönnen und in keinster Weise etwas anderes anzunehmen.
Trotz einer berauschenden Weltmeisterschaft mit Platz drei wollte Klinsmann seinen Vertrag als Bundestrainer nicht verlängern. Davon hatte der 41jährige am Dienstag nachmittag den DFB in Kenntnis gesetzt. Nach dpa-Informationen wurde auch Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack von Klinsmann unterrichtet. „Wer auch immer Jürgen Klinsmann im Amt nachfolgen wird, muß die begonnene Arbeit fortsetzen”, sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in der Nacht zum Mittwoch.
Maßgeblichen Anteil am WM-Abschneiden
Löw hatte seit Sommer 2004 als Assistent Klinsmanns gearbeitet und maßgeblichen Anteil am Erreichen des dritten Platzes bei der WM. Der 46 Jahre alte ehemalige Profi hatte als Trainer den VfB Stuttgart, den Karlsruher SC und mehrere Vereine in Österreich und der Türkei trainiert. Mit Stuttgart gewann er 1997 den DFB-Pokal und zog ins Europapokalfinale ein.
Jürgen Klinsmann sei seinen Weg als Bundestrainer bis zuletzt konsequent gegangen, sagte Mayer-Vorfelder. Er habe mit seiner Arbeit viel bewegt für den deutschen Fußball und gezeigt, daß ein „Wille Berge versetzen kann”. Klinsmann hatte sich nach dem dritten Platz bei der Heim-WM „einige Tage” Bedenkzeit erbeten und sich mit seiner Familie in ein geheimes Urlaubsquartier zurückgezogen.
Entscheidung für die Familie
Laut „Bild” hatte sich Klinsmann am Dienstag abend mit DFB-Präsident Theo Zwanziger im Schwarzwald zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Der DFB-Chef wollte demnach Deutschlands beliebtesten Trainer unbedingt bis zur Europameisterschaft 2008 oder sogar bis zur nächsten WM 2010 in Südafrika behalten. „Er kämpfte, doch er konnte das Ja-Wort des Bundestrainers nicht gewinnen”, berichtet das Blatt. Offensichtlich war es auch eine Entscheidung für die in Kalifornien lebende Familie, denn ein Umzug in seine deutsche Heimat kam für Klinsmann nie in Frage. Und die Belastung des ständigen Hin-und-Her-Fliegens über zwei oder gar vier Jahre wollte er nicht auf sich nehmen.
In Expertenkreisen hatten sich im Laufe des Dienstags die skeptischen Stimmen zur Zukunftsentscheidung des Bundestrainers bereits gemehrt. „Man kann nur hoffen, daß Jürgen Klinsmann weitermacht. Ich fürchte nur, daß er nicht weitermacht”, hatte Uli Hoeneß, der Sprecher des Arbeitskreises Nationalmannschaft der Bundesliga, erklärt. Der Bayern-Manager ist gewöhnlich bestens informiert über Interna im deutschen Fußball, der Kontakt zu DFB-Teammanager Oliver Bierhoff ist eng. Auch der deutsche Rekordmeister hatte in den späten Abendstunden von Klinsmanns Abschiedsgedanken gehört.
„Jetzt ist schlicht Erholung angesagt”
Bierhoff hatte sich nach einem Dankesbrief an alle Fans und WM-Beteiligten am Dienstag offensichtlich bereits intensiv mit dem „Fall Klinsmann” beschäftigt. Derweil hatten Klinsmann und Co-Trainer Löw über ihren Berater Eitel erklären lassen: „Jetzt ist schlicht Erholung angesagt.”
Klinsmann und Löw waren am Sonntag aus Berlin zusammen nach Stuttgart geflogen, dort trennten sich ihre Wege. Die „paar Tage Zeit”, die sich der Bundestrainer beim DFB für seine Entscheidung ausbedungen hatte, könnten durchaus spontan enden, hatte Eitel bereits vorausgesagt. „Vor zwei Jahren ist Jürgen auch innerhalb weniger Stunden von Los Angeles nach New York geflogen”, erinnerte Eitel an die damalige Blitz-Verpflichtung Klinsmanns als Nachfolger von Völler.
„Das ist nicht mehr zu toppen”
Nach 34 Länderspielen und einer berauschenden Weltmeisterschaft soll nun Schluß sein. „Das ist nicht mehr zu toppen”, hatte Klinsmann auf der großen Jubel-Party am Sonntag auf der Berliner Fanmeile bereits angedeutet, daß er sich nur noch schwer eine Steigerung der sportlichen Erfolgsgeschichte vorstellen kann.
Offen blieb in der Nacht zum Mittwoch, ob Klinsmann in weitere Zukunfts-Lösungen eingebunden werden könnte. „Man hat einen Einfluß auf die Weiterentwicklung”, hatte er nach dem Spiel um Platz drei gesagt, unabhängig davon, ob er als Trainer weitermache. Bei einem neuen Projekt, das die EM 2008 als Nahziel und die WM 2010 als Fernziel umfassen würde, könnten nun der bisherige Co-Trainer Löw und U-21-Auswahlcoach Dieter Eilts das operative Geschäft führen.
Quelle:
FAZ.NET